Tour de Energie – Todgeglaubte leben länger

Was war denn das  für ein Auftakt in die GCC Saison in Göttingen!?

Die Tour de Energie machten ihrem Namen alle Ehre. Wo Tage zuvor noch mit Regen zu rechnen war, gab es am Sonntag bestes Wetter mit unzähligen emotionalen Momenten.

Nach Pandemie Abstinenz war es Balsam für die Seele die altbekannten Gesichter wieder zu sehen. Nicht nur im Starterfeld, sondern natürlich auch hinter den Kulissen. Holger Kremers als Moderator machte vom  Start weg einen fantastischen Job.  Alexander Donike traf ich bei der Anmeldung und sofort gerieten in einen Small Talk. Wolfgang Schaaf knippste sofort frische Motive für die sozialen Medien.

Es war einfach nur schön!

Wieso komme ich so gerne knappe 300km nach Göttingen – weil das Gesamtpaket so stimmig ist. Tolle Organisation, alle Helfer totalst nett, Klasse Strecke, selektiver Kurs, besondere Atmosphäre. Es ist eine Perle neben den großen Namen wie Rund um Köln. Dabei muss sie sich überhaupt nicht verstecken. Denn die Stadt lebt den Radsport und der Funke springt einfach über.

Altbekannte und neue Konkurrenz: Neben ein Dutzend DKS Fahrern, fast ebenso viele von Team Rose Münsterland, neben der Haberich Cycling Crew stand eine neue zumindest für mich unbekannte Partei am Start – Geschenke-Online. Schon vor der Pandemie mit Personalabgängen zu kämpfen standen Wolfgang und ich nur  zu Zweit am Start. Dustin befindet sich in den letzten Zügen seiner Weiterbildung, Christine voll im Studiumsstress haben seit längerem schon neben dem Sport wichtigeres um die Ohren fliegen.

Da stehen wir Zwei nun in altbekannter Unterzahl mit gemischten Gefühlen auf den Startschuss wartend. Wolfgang 2x an Corona und ich vor 4 Wochen selbst betroffen mit gedämpften Erwartungen. Wobei es der beste Winter meines Lebens war – bis Ende März. Naja, machste nix, es wird sich zeigen. Am Start schon im Fettverbrennungsmodus laut Garmin wartend, machte ich mir schon beim warm fahren Mut – denn trotz Corona war ich zu den Jahreszeit noch nie auf diesem Level unterwegs.

Mit 5 Minuten Verspätung viel der Countdown. Die Position in 2. Reihe schützend am Führungsfahrzeug rechts am Fahrbahnrand fixiert. Kreisverkehr durchfahren und GO!

Den Tacho mal vorne direkt die 5 anzeigen lassen und mit Tempo 44+ wellig Richtung hoher Hagen. Im Positiongerangel wiedermal mich nach hinten abdrängeln lassen. 90° Kurve und Windkante – jetzt war Holland in Not. Da vorn hatten sich 3 Fahrer einen Abstand erarbeitet. Gleichzeitig riss im Hauptfeld vorn Einer mächtig am Lenker. Kein schützender Windschatten. Wind von rechts, ich fahre rechts. Also ans Ende der Gruppe ohne Windschatten und nach links an den Fahrbahnrand. 30 Sekunden 953 – 500 Watt+ UFFF.

Nochmal gut gegangen,, vorne nahmen sie etwas Tempo raus und ich kam wild schnauffend links ins sichere Feld zurück. Herz 180 schlagend, zerknautschtes Gesicht und ab in die nächste wellige Steigung bei ca. 3% bei 310 Watt den Puls irgendwie mit der Atmung in Einklang zu bringen. Mit jeder Richtungsänderung und neuer Windrichtung gehen eine handvoll Fahrer hinten fliegen. Wolfgang lässt schön die Beine kreiseln und sitzt mit starren Oberkörper elegant auf dem Renner. Zäh der alte Mann denke ich mir. Schnell noch ein Schluck aus der Flasche und Fokus nach vorne. 1. Welle, 2. Welle, 3. Welle und Tschüss Wolfgang. Das hätte ich nicht erwartet. Rene‘ Haber muss reißen lassen. Ich bahn mir meinen Platz weiter nach vorne. Knapp 40 Leute sind noch übrig geblieben. Kurze Abfahrt und Crash! 4 Jungs zerscheppert es vor mir in der Abfahrt kurz vorm hohen Hagen. Die Lücke ging dadurch nun auf und ich kam nicht mehr ans Hauptfeld heran, nach der Kurve stand ein altes Feuerwehrauto und ich rief den Menschen direkt zu das sie schnell heraneilen sollten. Gute Besserung den Gestürzten – das sah leider wirklich sehr schlimm aus.

Nun das Feld jagend allein im Wind im Abstand von 50, 70, 100m MIST. Der hohe Hagen ist erreicht und ich kenne ihn sehr gut. Nun zerreisst das gesamte restliche Hauptfeld. Ich fahr mein Tempo 310-350 Watt, wild prusternd und entschlossen nach vorne zu kommen. Ich hole Malte Palutt vom Rose Team Münster ein, und weitere Fahrer. Kleine Gruppen bilden sich. Alles schmerzt, letzte Kuppe und drüber. Trinken und kurz rausnehmen. Zu Dritt in die Abfahrt und Vollgas im Kreisel im Wechsel von 20-30 Sekunden bei 350-400 Watt die nächste Gruppe vorn am jagen. Und die Ungewissheit von vielen Jahren das von hinten doch eine Gruppe noch aufschliesst. Der Wind wechselt wieder und wir nehmen unsere Positionen ein. 2 einzelne Fahrer holen wir ein. Nach vorn ist nichts mehr zu holen. Von hinten kommen 5 starke Roller zu uns. Zu Acht weiter mit Vollgas dem Ziel entgegen und die Gesamte Straße schräg einnehmend hätte es mich fast das zweite Mal erwischt. Schmerzerfüllt biss ich mich in der Gruppe fest. Nochmals ein Blick nach hinten – gar nix. Der Wind drückt das Tempo unermüdlich unter die 40km/h Marke. Rechtskurve, am Kreisel vorbei wo das Rennen freigegeben wurde.

Knappe 2 Kilometer noch. Das Tempo wird nun deutlich hochgezogen. Dranbleiben. Vorletzte Kurve. Die Gruppe sprengt sich. Ich hasche von einem Hinterrad zum nächsten nach vorn. 3 Fahrer sind enteilt, schauen sich an. Zielgerade 300m! Mir bleibt nix anderes übrig als durchzuziehen. Akku leer und doch irgendwie weiter treten. Palutt hinter mir im Abstand von wenigen Metern. Ich denke ich bin im Ziel und nehme raus – es sind aber noch 50m zu fahren. Und nochmals alles reinwerfend, sehe ich im linken Augenschein Wolfgang Schaaf mit seiner Kamera knipsen. Gerettet!

Mein Sohn kommt mich herzen, Schiwegervater und Ehefrau. Viele Fahrer halten sich nicht im Zielbereich auf. Ich bin happy und durch. Wolfgang kommt 5 min nach mir ins Ziel. Nun sind wir gespannt wie unsere Platzierungen ausfallen.

Wahnsinn

Das Ergebnis hätten wir beide vor dem Rennen sofort unterschrieben. Wolfgang tippte auf Platz 100 aufwärts und lag mit dem 71. Gesamt und 11. AK deutlich darunter.

Vor meiner Virusinfektion hatte ich vor unter die TOP 40 zu fahren. Wenn es ein perfekter Tag würde tippte ich auf den 60. Gesamt – daraus wurde aber ein Gesamt 39. Platz und 14. in der Altersklasse. Am Bergsprint schraubte ich meine persönliche Bestleistung um gute 50 Sekunden nach unten! Zur vorderen Gruppe fehlte knapp eine Minute um den Kampf um Platz 23. . Alles hätte wenn und aber, ja ja.

Fakt ist. Wir Leben! Wir brennen immer noch und wollen wieder was reißen. Die nächsten Leistungsschritte wurden vollzogen. Also wer diesen Beitrag liesst und gefallen gefunden hat am Team kann sich gerne bei mir über FB melden. Ich bin gewillt das Team neu aufzustellen und suche charakterlich und sportiv Gleichgesinnte für ein etwas anderes Team in der Hobby- und Jedermannszene. Also traut euch, das Team mit Herz.

Bis bald,

euer Lukas

 

 

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