Stadtradeln 2020 – Möge die Laugenstange mit dir sein!

In einer Saison ohne wirkliche Wettkämpfe und Ziele kam dann doch der Ehrgeiz auf. Im September entschied sich die Stadt Solingen das Stadtradeln über 3 Wochen stattfinden zu lassen. Bei bestem Wetter radelte ich meine Trainingskilometer in der ersten Woche für meinen Arbeitgeber die St. Lukas Klinik etwas mehr als sonst ab. Der Kilometerstand Betrug nach 7 Tagen knapp 360Km. Ab und zu schaute ich was der Rest der Kollegen erradelten, ob sie mit oder ohne Akku fuhren, wer sich ins Zeug legte um das interne Ranking (andere Mannschaften: Einzelleistung nicht ersichtlich) zu gewinnen. In der zweiten Woche kristallisierte sich heraus das 3 Fahrer (darunter ich :-P) den internen Wettkampf entscheiden werden. In der Zwischenzeit legte ich an meiner KM-Leistung zu und schloss die zweite Woche mit fast weiteren 600 zurückgelegten Kilometern ab. Andreas, einer unserer Ergotherapeuten lag mit knapp 1000Km vorn , bekam jedoch von der Ehefrau Radfahrverbot für die dritte Woche! Sehr schade, denn ich hätte es ihm gegönnt zu gewinnen da er mit >100 kg und Trekkingrad es wirklich verdient hätte!

Wer blieb noch übrig – der Sprecher unserer Geschäftsführung MIT AKKU. Das geht ja gar nicht!, schoss es mir durch den Kopf. Es kann doch keiner mit Akku gewinnen. Hmmm, also lieb Abends im Bett an die Frau gekuschelt. Vorsichtig die Idee geäußert. Der Widerstand war deutlich spürbar, „bist du nicht schon genug gefahren?“ Ich sagte: „Aber Er hat nen AKKU!, das geht nicht, das wär nicht rechtens!“ Sie: “ Lass ihn doch, so ein Quatsch.“ Ich liess nicht locker und versprach nach der entscheidenen Woche das Rad mindestens 1 Woche nicht anzurühren.

DEAL, YES!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Mir spielte in der dritten Woche eine kleine arbeitsfreie Phase in die Karten. Dadurch konnte ich meinen Rückstand ausgleichen und durch gleichmäßige Belastung und Dauer dies in den Sieg ummünzen. Da meine Kilometer von Woche zu Woche ansteigend waren und die meines Konkurrenten mit jeweils um die 500 Kilometer lagen, stimmte mich dies optimistisch umzusetzen.

Im Krankenhaus erhielt ich regen Zuspruch von jeglicher Seite , wie : „Schieß das Ding ab!

Nun hies es für mich lange Fahrten auf neuen Routen. Maximal hügelig eher flach. Berge wie in der 1 und 2 Woche kamen nicht mehr in Frage und die Erschöpfung sollte sich zum Wochenende deutlich zeigen. Ein weiterer taktischer Zug sollte mein Schlußspurt sein (anvisierte 500Km in 2 Tagen + Km -Eintrag um 23 Uhr ). Am entscheidendem Wochenende würde das Wetter zum ersten Mal echt ungemütlich und schlecht werden (irgendwie blühe ich da auf) plus ich wusste das mein Widersacher langsam Sitzprobleme erhielt.

Die Touren ab Montag führten mich ins Siebengebirge zum Drachenfels und zurück. Etwas fertig im Spätdienst verrichtete ich meine Aufgaben ohne zu murren. Es ging auch weit in den Nordwesten Krefeld, Duisburg, Essen. Nach Hagen über den Ennepe- Ruhr -Kreis. Ich nahm alles mit – märkischer Kreis, Sauerland, Breckerfelder Umland, Ober-/Niederbergisches Land. Trassenverbindungen wurden zu meiner Freunden um keine Monotonie aufkommen zu lassen. Der Garzweiler Tageabbau wurde auch ein Besuch abgestattet.

Das Gesäß meldete sich auch nun bei mir. Salben half da nicht mehr viel – Verbände mussten her und vorallem die Tagestouren mussten 160Km + betragen um sicher zu gehen das Ding auch wirklich abzuschiessen. Zu meiner Verwunderung gingen wir bis zum Freitag im Gleichschritt (zeitiger Eintrag der Radkilometer). Den Freitag lies ich aus um mich für das WE zu erholen. Aktueller Stand: ich lag leicht vorne und seine Km- Leistung ging unter 50!

Das war für mich das Signal, er war platt!

Insgesamt war in den 21 Tagen 6 Tage nicht gefahren – das Resultat kann also für die Zukunft nochmal angehoben werden.

Endgame! Samstag: Besondere Taten erfordern besondere Sachen, oder so. Meine Frau (auf Nachtschicht) hätte mich nicht in der Nacht allein fahren lassen! Den Schwager vor Mitternacht wachgemacht, gebeten auf meinen kleinen ein Auge zu haben und ab aufs Rad! Samstag Null Uhr. Mehr als 7 Grad würde es nie werden. 4 fach eingepackt und mit allem was amn braucht ausgestattet in Richtung Köln, Hürth, Zülpich, Dürener Kreis -3 Uhr immer wieder 1 Stunde Regen mit 10 Min Trockenphase, Wind von Vorne bei 30-40Km/h, ich rede immer wieder mit mir selbst um die Stimmung hoch zu halten. Kopf nach unten links geneigt um den Regen vom Gesicht fernzuhalten. Ich hangel mich von Dorf zu Dorf. In den Dörfern freue ich mich für den Windschutz. Stolze nur 65Km in 3 Stunden OHA! Die Bedingungen wirklich ungemütlich – Kopf aber hellwach, allein in der Nacht zwischen rot blinkenden Windrädern in der ferne des Heinsberg Kreises. Ich rede zum Wettergott: “ Du kriegst mich nicht kaputt, nur eine Prüfung. Wehe ruhig, aber auf dem Rückweg will ich den Rückenwind haben!“ Recht sollte ich behalten, in den schweren Phasen der Hinfahrt 21Km/h und zurück 35km/h +. Langerwehe,  Stolberg mit seinen Ausläufern der Eifel, Aachen Zentrum gegen 5 Uhr erreicht – no time for sightseeing! Einmal Zentrum und raus, weiter, kurzes Intervall fahren da Kältezittern aufblühte und Essen damit der Motor läuft. Rote Ampeln verfluche ich da der Wind mich wieder bibbern lässt. Die Füße stehen schon lange im Wasser das sich im Schuh gesammelt hat. Trotzdem ein hoch auf die Winterschuhe (mit die beste Investition vor Jahren). Von Aachen geht es Richtung Erkelenz, danach am Mönchengladbacher Stadion vorbei (Mal trocken), in Aachen dämmerte es und nun ist der Tag angebrochen, ein weiteres Kälteschütteln erwischt mich. Reagiere goldrichtig mit einem weiteren kleinen Interval und Essen. Ich rede intermittierend immer wieder laut zu mir selbst – Stimmung gut- Gesit geschwächt. Büttgen, Neuss, Holzheim und was alles dazwischen lag wieder Regen :-(. Langsam merkte ich die untypische Zeit, die Bedingungen, die Kälte in den Knochen, Müdigkeit. Ab 210Km war es nur noch Schinderei auf bekanntem Terrain nach Hause. Von 10 1/2 Stunden waren 8 Stunden Regenfahrt for free. Die Hälfte des Wochenendes hatte ich erfolgreich absolviert. Total fertig sah Sandra mich Vormittags und schickte mich für 90 Min ins Bett bevor wir zur Familie eingeladen waren. Lügen haben kurze Beine und natürlich kam es raus (Dank an meinen Schwiegerpapa 😉 ) das ich ALLEIN um Mitternacht gestartet war. Sauer aber Glücklich das ich heil Zuhause war verbrachten wir den restlichen Tag zusammen. Durch die ganze Regenschlacht war der ganze Strassenschmutz trotzdem durchs Sitzpolster gedrungen und tat den Furunkeln nicht wirklich zur Heilung bei.

Sonntag: 250Km würde ich nicht mehr packen hatte ich schon davor im Kopf, aber 200 würden gehen. Irgendwo im niergendwo zwischen Bornheim, Hürth,Rhein-Erft-Kreis spulte ich wie ein Zombie im Zickzack Muster ohne echtes Ziel die Kilometer ab. Beschleunigung = NULL. Die Nachtfahrt hatte zu viel gekostet um diesen Tag relativ entspannt zuende zu bringen. Eine gute Tat vollbrachte ich indem ich einen Herrn meinen Schlauch schenkte. Ab Km 150 war es ein richtig zähes ringen nur nach Hause zu kommen. Es war auch kein Highlight das mich Nils Politt von hinten überholte und sofort wieder weg war. Froh und geschafft über die letzte Woche mit 900Km Strecke, davon 450 in 2 Tagen war mir der Sieg nicht mehr zu nehmen.

Die Wunden heilten auch nicht so schnell wie gedacht und das Rad war deutlich länger als die eine Woche beiseite gestellt. Nun wartete ich ungeduldig was die anderen Radler an Kilometerleistung erbracht hatten. Eine E-Mail erreichte mich vom Stadtradeln – ich ging hin ohne zu wissen das ich für die beste Einzelleistung gekürt werden sollte zur Siegerehrung. Eine tolle persönliche Geschichte für mich in einem schwierigen Sportjahr 2020 ging erfolgreich zu Ende, obwohl ich erst zur Mitte dieses Event ambitioniert anging. Sollte ich es nochmal tun und das von Anfang an sind 2500Km realistisch einzuschätzen. Aber nicht nächstes Jahr!

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